Warum nicht auf einem Flugzeugträger?

Die Wladiwostok ein Schiff der Mistralklasse

Foto: Die Wladiwostok  ein Hubschrauberträger der Mistral-Klasse der heute als Gamal Abdel Nasser unter Ägyptischer Flagge fährt. Das Schiff wurde ursprünglich für Russland gebaut, aber wurde der Annextion der Krim an Ägypten verkauft. © Fabian Roessler

Sobald der Ort eines großen Gipfeltreffens bekannt wird, spätestens wenn es um Kosten geht, kommt unweigerlich die Forderung solche Treffen doch auf einem Flugzeugträger durchzuführen. ist das eine sinnvolle Option, wir gehen dem nach.

Schauen wir uns an, was ein Flugzeugträger kosten würde. Dazu muss man sagen, der Flugzeugträger alleine reicht natürlich nicht aus, dieser ist relativ ungeschützt und wäre so ein leichtes Ziel. Deshalb operieren Flugzeugträger immer in einem Verband, der sogenannten Trägerflotte.

Die tatsächlichen Betriebskosten sind schwierig zu ermitteln, man findet aber Hinweise dass man von 5-8 Millionen US Dollar pro Tag ausgehen muss. Inklusive Vorbereitungen wird man den Trägerverband mehr als eine Woche mieten müssen, also bei angenommenen 6,5 Millionen mindestens 52 Millionen. Beim aktuellen Kurs – und da es sich eh um Schätzwerte handelt – nehmen wir der Einfachheit halber Dollar für Euro. Realistisch erscheint eher ein Zeitraum von mindestens 3 Wochen (Anpassung Kabinen, Arbeiten am Innenausbau, Test, usw.). Dazu kommt wahrscheinlich noch mindestens eine gewisse Zeit für die Anfahrt (so das Treffen unter der deutschen Präsidentschaft nicht am Horn von Afrika erfolgen soll).
Lassen wir An- und Abfahrt weg und rechnen dabei großzügig mit 3 Wochen für die man den Träger benötigt. Es läuft auf rund 150 Millionen Dollar hinaus.

 

Dabei fehlt aber noch einiges. Bei so einem Gipfel handelt es sich nicht um ein Kaffeekränzchen von sieben Personen. Tatsächlich sind es eher 10 oder mehr Staatschefs oder Repräsentanten der Vereinten Nationen und vielem mehr. Dazu kommen der protokollarische Dienst, die engen Berater, einige Bürokapazitäten, die Verpflegung und nicht zuletzt Vertreter der Medien. 

Realistisch wird man von über 1000 Personen ausgehen müssen, die mehrere Tage auf dem Schiff zubringen. Damit ist klar, dass ein großer Teil der Besatzung in dieser Zeit nicht auf dem Schiff ist, deren Kabinen und Kojen werden gebraucht. Entbehrlich ist sicher ein Teil der Deckcrew, da wird man das Katapult und die Fangeinrichtungen eher nicht brauchen, An- und Abreise wird per Hubschrauber stattfinden müssen. Die Mannschaftsverpflegung wird man etwas reduzieren können wenn die Nachtschicht nur teilbesetzt wird. Am Maschinenraum wird man kaum einsparen können, ebenso beim Lazarett. 

Ob man überhaupt genug Platz schaffen könnte um einen G7 Gipfel auf einem Flugzeugträger zu veranstalten, wagen wir zu bezweifeln.  

 

Da die Auswahl an geeignetem Fluggerät übersichtlich ist, wird man zumindest für An- und Abreise der Staatsgäste auf einen Verkehrsflughafen angewiesen sein. Die Kosten dafür dürften bei 1-2 Millionen liegen. Dazu kommt zusätzlich notwendiger Sicherungsaufwand. 

 

Bei einem solchen Gipfel können nur sehr wenige Journalisten die Veranstaltung selbst besuchen. Es wird also eine Art von Medienzentrum benötigt, man kann da von mindestens weiteren 5 Millionen ausgehen. Ideal ist das aber nicht, die direkte (oft auch kritische) Frage und deren Beantwortung sind ein wichtiger Teil des Journalismus. Technisch ist das sicherlich über Videoschaltungen realisierbar, es geht aber viel verloren – und wenn es nur die Reaktionen der Kollegen oder des Umfelds sind.

 

Zurück zu den Kosten: Alleine die Örtlichkeit kann man mit um die 150 Millionen veranschlagen. Also in der gleichen Größenordnung wie ein Gipfel an Land, eher etwas mehr. Allerdings müsste man dieses Geld an einen Bündnispartner überweisen. Anders sieht es beim Gipfel an Land aus. Die Ausgaben für das Gipfelhotel, die Sicherheit, Infrastrukturmassnahmen und vieles mehr – das Alles verbleibt zum Großteil im Land und treibt die Wirtschaft.

 

Ähnlich sieht es bei anderen Verschlägen aus, zum Beispiel den Gipfel in der Antarktis durchzuführen. Neben der insgesamt fehlenden Infrastruktur ist auch die Anreise komplex und teuer. Dort vorhandene Forschungsstationen sind kaum nutzbar und bieten nur Platz für 100 oder weniger Personen – meist deutlich weniger. Man müsste eine neue Unterkunft errichten, selbst mit großen Einschränkungen für mindestens 500-1000 Personen. Gemessen an den Kosten für die Neumayer III Station wäre man bei fast einer Milliarde – ohne Betriebskosten und Transfer.

 

Wir hoffen, den ernsthaften Vorschlägen eine ausreichende Antwort gegeben zu haben, jenen die am liebsten alle Politiker bei Wasser und Brot einsperren und durch das abgedeckte Dach ihre Notdurft verrichten wollen – das mag eine Meinung sein – unsere ist es nicht.

 

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